Pollenzo, eine wichtige römische Stadt, in deren Nähe 402 die berühmte Schlacht stattgefunden hat, wird im Mittelalter ein Benediktinerzentrum der Novalesa-Breme sowie der Nonnen von Caramagna.

Nach harten Auseinandersetzungen im 12. und 13. Jhdt. zwischen den größeren Städten Niederpiemonts, die zur vollständigen Zerstörung der teilweise noch aus dem 5. Jhdt. stammenden Festungsanlagen führten, wird Pollenzo im 14. Jhdt. Sitz der Grafschaft des mit den Visconti in Verbindung stehenden Adeligen Antonio Porro.

Wenige Jahrzehnte später wird die Festung aus dem Jahre 1386, von der der donjon, der 46m hohe Rundturm, bleibt, zur namhaften Feudalresidenz der Marchesi di Romagnano, die als Grafen von Pollenzo in der zweiten Hälfte des 16. Jhdts. eine tiefgreifende Erneuerung des Schlosses nach manieristischem Vorbild einleiten. Diese Phase der Geschichte und der Kunst wird allerdings zwischen 1832 und 1847 völlig ausgelöscht.

Der Fall Pollenzo ist in diesen Jahren wohl symptomatisch für die besondere romantische Einstellung von König Carlo Alberto, der mit seinen Künstlern Eingriffe vornimmt, die die Zerstörung eines Großteils des mittelalterlichen Ortes zur Folge haben: all das im Namen eines wiedererschaffenen Mittelalters, jedoch versehen mit häufig vorkommenden und weit verbreiteten widersprüchlichen Elementen in der pompösen klassizistischen Form, die von Pelagio Palagi für die Innenausstattung des Schlosses entworfen wurde. Für die Ausführungen dieser Arbeiten wurden außer Palagi zahlreiche andere Künstler beschäftigt.: der Architekt Ernest Melano, der Maler Bellosio, der Schnitzer Moncalvo und der Bildhauer Gaggini.

Zusätzlich zu diesen Künstlern, die der Herrscher mit der Neugestaltung von ganz Pollenzo beauftragte, wurde ein Heer von weiteren äußerst fähigen Künstlern und Handwerkern gerufen, die gemeinsam an der Entstehung dieses mittelalterlich anmutenden Ortsbildes, das dem König so am Herzen lag, arbeiteten - mit seinem Platz mit Brunnen, der gotisch wirkenden Kirche San Vittore, dem Meierhof Albertina, dem Schloss und vor allem der "Agenzia".